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Lebensgeschichten und Erlebnisse der Mädchen

Wir ermutigen unsere Mädchen über alles, was sie durchgemacht haben, nachzudenken und davon zu reden. Einige von ihnen sind bereit, ihre Lebensgeschichte zu erzählen und ihre Wünsche und Sorgen mitzuteilen.

Eindrücke und Erlebnisse bereichern den Alltag der Kinder. Geschichten erzählen "kupiga stori" gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen in der Freizeit. Einige sind hier aufgeschrieben.

Lesen Sie von Eunice - Chedy - Sophia

Ich wußte nicht wohin, denn es war Nacht

von Eunice

Eines Tages brachte mich meine Mutter nach Nairobi, wo ich als Hausmädchen bei einer Frau arbeiten sollte, die sie vorher noch nie gesehen hatte. Meine Mutter hatte nicht die Mittel, um mir einen Schulbesuch zu ermöglichen. Seit dem ich in diesem Haushalt tätig war, wurde ich regelmäßig gedemütigt und so schwer missbraucht, dass ich die meiste Zeit weinend verbrachte. Ich habe kaum gegessen, wurde oft geschlagen und mit übelsten Schimpfwörtern beleidigt. Das war der „Dank" dafür, dass ich mich redlich bemühte, für das Kind der Familie da zu sein.

Einmal kam die Dame des Hauses von der Arbeit nachhause und fand das Baby schreiend vor. Das Kleine hatte lange geschlafen und deshalb noch nichts gegessen. Und schon nahm alles seinen gewohnten Lauf. Sie schrie mich an, warf mir Beleidigungen an den Kopf und beschuldigte mich, das Kind geschlagen zu haben. Ich war sprachlos und wagte es wie so oft nicht, etwas zu meiner Verteidigung zu sagen.
Schließlich stürzte sie sich auf mich und begann mich heftig zu schlagen. Ich schrie um Hilfe, weil die Schmerzen unerträglich wurden.
Da kamen mir Nachbarn zur Hilfe und forderten sie auf, mich nicht länger zu misshandeln. Sie aber ignorierte diese Einwände und schlug weiter zu. Als sie einen Moment inne hielt, um etwas zu einem der Nachbarn zu sagen, nutzte ich diese von Gott geschenkte Chance, ich entwand mich rasch ihrem Griff, stürzte hinaus und rannte wie um mein Leben.

Ich wusste nicht wohin, denn es war Nacht. Ich rannte und rannte und landete schließlich in einem Hof, wo mir jemand einen Platz zum Schlafen anbot.
Am nächsten Morgen nahm ich wahr, dass ich in einem Kirchhof Zuflucht gefunden hatte. Ich traf einen Mann, der mir einige Fragen stellte, und erzählte ihm meine ganze Geschichte. Daraufhin brachte er mich an einen anderen Ort und sagte, hier sei fortan mein Zuhause. So lernte ich das Pangani-Haus kennen und mit ihm all die anderen Mädchen, die hier Aufnahme gefunden hatten.

Hier im Pangani-Haus lebe ich nun mit meiner neuen Familie und bin herzlich dankbar, dass ich hier alles bekomme, was ich wirklich zum Leben brauche. Ich gehe gern in die Schule, wo ich die erste Klasse besuche. An Weihnachten durfte ich meine Mutter besuchen. Mein Vater starb schon, als ich drei Jahre alt war.

Ich vertraue darauf, dass ich mit Gottes Hilfe im Glauben wachsen und in der Schule viele Kenntnisse erwerben werde. Das PLCC verändert mein Leben und ich bete zu Gott, dass er weiterhin die Arbeit segnet, die hier getan wird.

Hauptsache ich hatte Freundinnen, die mich akzeptierten

von Chedy

Ich heiße Chedy und wurde 1995 in Nairobi auf der Straße geboren. Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich mit meiner Mutter in Fluren und Gängen der Stadt. Meine Großeltern starben, als meine Mutter noch ein junges Mädchen war. Einmal erzählte der Freund meiner Mutter, schon meine Großmutter sei bettelnd durch die Straßen gezogen, um Lebensmittel, Kleider und Schuhe für ihre Familie kaufen zu können.

Eines Tages kam eine Frau dorthin, wo ich mit meinen Freunden spielte, und fragte uns, ob wir gerne in die Schule gehen würden? Mich stürzte diese Frage in einen Wirbel widersprüchlicher Gefühle wie Glück, Misstrauen und Angst. Ich sagte der Frau, sie solle erst meine Mutter fragen, ob sie einverstanden sei.

Meine Mutter war überglücklich und stimmte sofort zu, als ihr versichert wurde, dass ich nicht nur zur Schule gehen, sondern auch freies Essen und einen Platz zum Schlafen bekommen sollte. Schon am folgenden Tag brachte mich meine Mutter zum PLCC, wo ich freundlich empfangen wurde. Ich bekam Wasser, um mich zu waschen. Zusammen mit einigen etwas älteren Mädchen wurde ich unterrichtet und auf den Schulbesuch vorbereitet. Der Altersunterschied war kein Problem für mich. Hauptsache ich hatte Freundinnen, die mich akzeptierten und mit denen ich spielen konnte. Später wurde ich zu einem Haus gebracht, wo es mir auch gut gefiel.
Ich wurde dort gut aufgenommen und, weil alle so freundlich zu mir waren, fühlte ich mich bald wie zuhause. Es war ein Ort so ganz anders als die Straßenecke, die ich gewohnt war. Hier war es warm, es gab reichlich zu essen und eine gute Gemeinschaft.

Wenn ich heute zurückschaue, ist mir klar, dass ich aus einem Umfeld gerettet wurde, wie es für ein Kind meines Alters nicht gefährlicher sein kann. Ich hatte damals bereits mit dem Klebstoffschnüffeln begonnen; aber seitdem habe ich mich völlig verändert.
Ich besuche die sechste Klasse der Primarschule. Meine Mutter starb letztes Jahr Ende August Ich kann nicht mehr nach meiner Mama rufen. Ich vertraue mein ganzes Leben Gott und dem PLCC an; sie sind jetzt mein Vater und meine Mutter. Ich liebe das PLCC und all die Arbeit, die hier getan wird. Ich möchte Ärztin werden, damit ich Kranken helfen kann.

Wir hatten eine schöne Zeit mit Claudia

von Sophia

Es war in den April-Ferien 2012. Wie gewöhnlich wiederholten wir den Schulstoff. Plötzlich und wie aus dem Nichts sahen wir unsere gute Lehrerin Claudia. Vor Aufregung rannten wir ihr entgegen. Wir konnten unser Freude nicht verbergen. Wir umarmten sie so stürmisch, dass sie wie ein Baby zu Boden fiel.
Sie begrüßte uns alle und gab uns ein kleines Geschenk, worüber wir uns freuten. Ehrlich - sie ist wie ein vom Himmel gesandter Engel. Wir hatten eine schöne Zeit mit ihr. Wir spielten zusammen und machten alles gemeinsam.
Sie übernachtete bei uns und erzählte uns am Abend von Deutschland. Am Morgen frühstückten wir gemeinsam. Danach machten wir Perlenarbeiten und spielten Uno, was ein spannendes Spiel ist. Ihr Besuch ging dem Ende entgegen und sie musste uns wieder verlassen. Die Tränen liefen, denn wir hatten eine schöne Zeit zusammen gehabt. Sie ist wie unsere Mutter, denn sie ist nett, bescheiden und fürsorglich. Wir als Rongai-Familie mögen Claudia sehr gerne.

Aus Datenschutzgründen haben wir die Namen geändert.

 

 

 

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