Fleißige Gäste von Merck Darmstadt

Mgeni siku mbili, ya tatu mpe jembe. –
Verwöhne einen Gast zwei Tage, am dritten gibt ihm die Hacke.


Vom 2. bis zum 9. Oktober hatte das PLCC neun Auszubildende und ihren Ausbildungsleiter Stefan Richter vom Pharmakonzern Merck in Darmstadt zu Gast. Und anders als Gastfreundschaft im Swahili Sprichwort erklärt ist, fingen sie gleich am Morgen nach ihrer nächtlichen Ankunft an zu arbeiten. Sie hatten sich vorgenommen innerhalb einer Woche eine Photovoltaikanlage auf dem Notburga Haus zu installieren und ein 190 m2 großes Gewächshaus aufzubauen.


Voller Eifer startete am Freitag die Arbeit. Eine Gruppe begann mit dem Graben der Löcher für Fundamente der Gewächshausträger, was sich nach dem Regen der vorangegangenen Nacht und dem lehmigen Boden als sehr mühsam herausstellte. So wurden noch zwei Nachbarn hinzugerufen, die sich als sehr hilfreich erwiesen. Die zweite Gruppe machte sich mit Mitarbeitern der Firma Prieske an die Photovoltaikanlage. Die Zusammenarbeit von kenianischen und deutschen Fachkräften klappte trotz kleinerer Verständigungsschwierigkeiten gut. Im Haus und auf dem Feld wurde fleißig gearbeitet und jeden Abend konnte positive Bilanz gezogen werden, wenn man von den Sonnenbränden absieht. So wuchs die Zuversicht, dass alles zu schaffen sein würde und es konnte auch hin und wieder eine kleine Pause eingelegt werden. Diese waren auch dringend nötig, denn man wechselt nicht ganz ohne Wirkung den Kontinent, das Klima, das Lebensumfeld, die Ernährung und die Gewohnheiten.


So blieb im Laufe der Woche auch Zeit den Nairobi National Park zu besichtigen, der ja direkt vor unserer Haustüre liegt, für einen Besuch im Giraffe Center und im Sheldrick Elefant Orphanage.


Angefangen hat alles mit dem ersten Kontakt zwischen Volker Schmidt, Merck - Living Innovation General Manager Consumer Health Kenya und seiner Ehefrau Bettina und Mary Mshana und Claudia Heiß vom PLCC im März 2014. Aus einer Wunschliste kristallisierten sich die Solarstromanlage und das Gewächshaus heraus. Die Nutzung der beiden Neuerungen wird laufende Kosten reduzieren und für Licht auch dann sorgen, wenn die örtliche Stromversorgung ausfällt (was mindestens einmal pro Woche der Fall ist). Ziel des Projektes war einerseits eine soziale Einrichtung in Kenia zu unterstützen und andererseits Merck Auszubildenden aus Darmstadt die Möglichkeit zum Engagement für benachteiligte Kinder im Ausland zu ermöglichen. Im halben Jahr der Vorbereitung lag die Organisation (Material, Finanzierung, Flüge, medizinische Vorbereitung usw.) in den Händen der Kaufleute unter den Auszubildenden. Beim Arbeitseinsatz hatten dann die Bereiche Elektrik, Elektronik und Mechanik das Sagen. Alle beruflichen Kenntnisse der jungen Leute kamen zum Einsatz und in ihrer Kombination haben sie zum Erfolg geführt.


Das warme Licht der neuen Leuchten, gespeist von der afrikanischen Sonne, ist mehr als nur sichere Beleuchtung sondern auch Beispiel für eine Resourcen schonende Energiegewinnung. Im Gewächshaus werden Gemüsearten angebaut werden. Dank des Kleinklimas können gute Erträge erzielt werden unabhängig von Regen- und Trockenzeiten. Die Tröpfchenbewässerung sorgt mit einem Minimum an Wassereinsatz für ein Maximum an Wachstum.


In den ersten zwei Tagen war der Kontakt zwischen den Gästen und den Mädchen eher distanziert, denn unsere „Gast-Arbeiter" waren voll beschäftigt. Das änderte sich am Sonntag nach einem Nachmittag mit gemeinsamen Spielen, Singen und Tanzen. Das Eis war gebrochen, Fragen und Gegenfragen wurden gestellt und beantwortet, Namen konnten Personen zugeordnet werden und aus der Distanz wurde Nähe. Die Mädchen wünschten sich, von den Merck-Gästen aus der Schule abgeholt zu werden und waren stolz ihre neuen Freunde ihren Mitschülerinnen vorstellen zu können.


Nach sieben prall gefüllten Tagen reiste die Gruppe mit dem Versprechen ab, dass sie alles dafür tun werde, dass im nächsten Jahr wieder eine Gruppe kommen wird mit einer neuen Projektaufgabe und dem Wunsch die PLCC-Familie kennen zu lernen.


Die PLCC Mädchen haben neue Freunde und Freundinnen gewonnen. Wir sagen herzlichen Dank an alle, die auf den verschiedenen Ebenen dazu beigetragen haben, dass dieses Projekt so gut umgesetzt werden konnte. Wir freuen uns, wenn dies der Beginn einer anhaltenden Beziehung ist. Und wir wünschen den Auszubildenden von Merck, dass sie bereichert an Erfahrungen und Einsichten nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Solarpanels auf dem Dach des Notburga Hauses
Gewächshaus