Ein viel zu kurzer Besuch in Ongata Rongai

Wir kennen das Projekt nun schon seit über 15 Jahren. Wir - das ist die Stadtkirchengemeinde aus Hersbruck, einer Kleinstadt 25 km östlich von Nürnberg. Unser Pfarrer hatte einen Bericht über die Arbeit des PLCC gelesen und uns begeistert davon berichtet. Wir teilten seine Begeisterung. Seitdem verfolgen wir die wichtige Arbeit dort. Der Erlös unseres jährlichen Hobbykünstlermarktes in der Gemeinde geht nach Pangani, ebenso wie die Sammlungen am Heiligen Abend und anderen Sonntagen. Nach so vielen Jahren war es an der Zeit, die Arbeit und die Mitarbeiter und natürlich die Mädchen vor Ort kennen zu lernen. Die Delegation der Gemeinde, die Nairobi besuchen wollte, wuchs schnell auf 8 Leute an und am 28. September 2013 startete unsere aufregende Reise. Für einige von uns war es der erste Besuch in Afrika. Claudia Heiß hatte uns im Vorfeld bestens vorbereitet und das Programm mit uns erarbeitet und sie und ihr Mann Friedrich begleiteten uns während unseres Aufenthaltes. Die perfekten Reiseleiter. Danke, Ihr habt uns Land und Leute mit viel Liebe nahe gebracht.

Im August war der Flughafen von Nairobi niedergebrannt, eine knappe Woche vor unserem Abflug überfielen Terroristen die Westgate Mall - viele fragten uns, ob wir wirklich fliegen wollten. Wir wollten! Wir kamen spät an, mussten noch nach einem verloren gegangenen Koffer fahnden - die Nacht war kurz im neu erbauten Gästehaus in Ongata Rongai. Ein tolles Gästehaus! Herzlichen Glückwunsch! So ein komfortables Haus hatte niemand von uns erwartet. Am Sonntagmorgen besuchten wir den englischen Gottesdienst in Dagoretti. Pastor Mike Fonner von der Nairobi International Lutheran Congregation hieß uns herzlich willkommen und nach einer Tasse Tee in der Sonne und Gesprächen mit den Gottesdienstbesuchern nahmen wir auch noch am Gottesdienst auf Suaheli teil - eine begeisternde Erfahrung. Nach einem Mittagessen in der Innenstadt hatten wir abends Gelegenheit die Mädchen in Ongata Rongai kennen zu lernen. Sie hatten uns zum Abendessen eingeladen und zeigten uns voller Stolz ihre Zimmer und Häuser. Wir hatten Zeit, uns von ihnen erzählen zu lassen.

Am nächsten Tag besuchten wir das Pangani Haus. Allein die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis. Wir fuhren an Slums und chicen Wohngegenden vorbei und sahen, wie nahe Wohlstand und bittere Armut beieinander liegen können. Und wir lernten: in Nairobi steht man den halben Tag im Stau. Ein öffentliches Verkehrsnetz gibt es nicht, jeder fährt Auto oder - steht eben im Stau. Wir genossen die Fahrten gemeinsam in unserem Bus trotzdem. Ein Dank an Ali, unseren fabelhaften Fahrer. Das Leben zog an uns vorbei, wir hatten genügend Zeit, vieles zu betrachten und bekamen so einen bleibenden Eindruck von der Stadt abseits von Straßen, die im Reiseführer abgebildet sind. Im Pangani Haus trafen wir die Mädchen, die ein Lied für uns vorbereitet hatten. Die Mitarbeiter erzählten uns von ihrer wichtigen Arbeit dort. Wir haben zuhause viele ermutigende Dinge von dort zu berichten. Zum Abschluss überraschten uns die Mitarbeiter mit Geschenken. Wir freuen uns, noch viel von Euch zu hören und Euch wieder zu treffen.

Am 3. Oktober feiern wir in Deutschland den Tag der Wiedervereinigung. Auch in der Deutschen Botschaft wird er begangen. Wir hatten die Ehre, in die Residenz des Botschafters zum Empfang eingeladen zu sein. Eine weitere Gelegenheit, viele interessante Gespräche zu führen. Und zu unserem größten Erstaunen servierte man uns dort Leberkäse und Bratwürste...
Als ob das Essen in Nairobi nicht schon lecker genug gewesen wäre. Ananas, Papaya und Mango zum Frühstück! Wir schleppten sogar Bananen und Süßkartoffeln mit nach Hause!

Was wäre ein Besuch in Kenia ohne die wunderbare Natur und die wilden Tiere? Selbstverständlich gehörten auch ein Besuch im Nairobi National Park und im Elefantenwaisenhaus, so wie ein Abstecher ins Rift Valley zu unserem Programm. Wann muss man bei uns schon mal bremsen, weil Zebras oder eine Giraffe die Straße überqueren?!?

Auf der jährlichen Konferenz der KELC hörten wir von Fortschritt und Problemen in der Kenianischen Lutherischen Kirche. Wir nahmen an der jährlichen Konferenz teil und bekamen so den Jahresbericht erläutert.

Die meisten von uns verbrachten nur knappe 9 Tage in Kenia. Aber unsere Eindrücke und Erlebnisse waren so vielfältig, dass man damit wohl auch vier Wochen hätte füllen können. Jeden Abend warteten die Mädchen in Ongata Rongai auf uns und es war für alle Seiten ein Spaß, zusammen zu tollen, zu spielen und zu singen. Wir verbrachten den ganzen Samstag auf dem Gelände, sahen wie die Mädchen ihre Schuluniformen mit der Hand wuschen, das Haus putzten und wir versuchten mit ihnen, die Grundzüge des Jonglierens zu erlernen. Denn wir hatten ihnen zu ihrer großen Freude Jongliermaterial mitgebracht. Die Mädchen singen liebend gerne und manche haben beeindruckenden Rhythmus im Blut. Kein Wunder also, dass die kleine Wellblechkirche auf dem Gelände am Sonntagmorgen bebte bei all dem Gesang und Klatschen. Beim gemeinsamen Mittagessen mit Vertretern der Nordkirche konnten wir ein weiteres Mal unsere Eindrücke austauschen.

Die Zeit verging natürlich viel zu schnell. Niemand wollte am Sonntagabend nach Hause fliegen. Es gab viele Tränen - nicht nur bei den Mädchen. Danke für die wundervollen Tage, die wir mit Euch verbringen konnten. Danke, dass Ihr Euer Leben mit uns geteilt habt. Ein Stückchen Herz von uns bleibt in Kenia. Wir werden füreinander beten. Gott segne Eure Arbeit.

Unser Besuch in Nairobi hat uns viele Ideen gebracht, wie wir unsere Freundschaft und Partnerschaft ausbauen können. Am 24. November findet wieder unser jährlicher Hobbykünstlermarkt statt, dessen Reinerlös seit vielen Jahren nach Pangani fließt. Viele heimische Hobbykünstler verkaufen ihre Erzeugnisse in unserer Gemeinde. Und natürlich werden wir dieses Jahr auch wieder Produkte aus Kenia und aus der PAWENA Weberei verkaufen.

Silke Igel